Baumeister, Willi
Schon während des Studiums an der Kunstakademie Stuttgart lernte Willi Baumeister zentrale Persönlichkeiten der klassischen Moderne kennen. Alf Bayrle und Oskar Schlemmer etwa, waren seine Kommilitonen in der Kompositionsklasse von Adolf Hölzel. In dieser Zeit unternahm Baumeister zahlreiche Studienreisen, wobei er mit zahlreichen Künstlerkolleg*innen in Kontakt stand, und nahm auch während des Kriegs an Ausstellungen teil. Wohl 1919 trat er der von Max Pechstein gegründeten Novembergruppe bei, im selben Jahr gründete er unter anderen mit Oskar Schlemmer die Künstlergruppe Üecht. Als freier Künstler, erfuhr seine Arbeit nationale und internationale Anerkennung. Parallel dazu widmete er sich der Gebrauchsgrafik und entwarf Anzeigen für Unternehmen, 1927 wurde er Chefgrafiker bei den Deutschen Linoleum-Werken DLW. Gebrauchsgrafik, Typografie und Stoffdruck lehrte Willi Baumeister schließlich als Professor an der Frankfurter Städelschule (1927–1933). Nach der Machtübernahme der Nationalsozialist*innen verlor er diese Position; 1937 wurden zahlreiche seiner Tafelbilder, Aquarelle, Druckgrafiken und Zeichnungen aus Museen entfernt, da sie als „entartet“ galten. Baumeister ging zurück nach Stuttgart und lebte hauptsächlich von Gebrauchsgrafik. Ab 1937 arbeitete er, neben weiteren verfemten Künstler*innen, im Wuppertaler Arbeitskreis: einer Künstlergruppe um den Chemiker und Lackfabrikanten Kurt Herberts, die firmeneigene Lacke auf ihre Eigenschaften prüfte. Gleichzeitig arbeitete er heimlich am eigenen künstlerischen Werk weiter und stellte zuweilen im europäischen Ausland aus. Nach mehrfachen Umzügen (1943, 1945) kehrte Willi Baumeister 1945 zurück nach Stuttgart. Unmittelbar nach dem Ende des Krieges wurde er als Professor für Malerei an die hiesige Staatliche Akademie der Bildenden Künste berufen. Zahlreiche Ausstellungsbeteiligungen und Anerkennungen belegen, dass er bald auf dem Höhepunkt seiner künstlerischen Karriere angelangt war.